Von Guinness gibt es endlich Neues, wenn auch nichts Erfreuliches. Nach Diskussionen um die Anerkennung des Weltrekords, die seit Wochen andauern, habe ich mich entschieden, nicht weiter auf der Beurkundung unseres Weltrekords zu beharren. Guinness scheint derart entschlossen, unseren Guinness Rekord nicht anzuerkennen, dass ich nicht weiter meine Zeit für eine Institution verlieren möchte, die aus nicht nachvollziehbaren Gründen unseren Rekord nicht anerkennt.

Guinness bringt drei Gründe vor, ohne diese nach mehrmaliger Aufforderung hinreichend zu begründen.

  1. Guinness ist der Meinung, dass unser Windschattenfahren hinter dem Begleitfahrzeug einen zu großen Vorteil gegenüber Konkurrenten bedeutet hat.
    Das Regelwerk verbietet dies nicht und ich habe vor Tourstart das mündliche Okay erhalten, den Windschatten des Begleitfahrzeugs zu benutzen. Warum dem aktuellen Rekordhalter Alan Bate (GB) Windschattenfahren erlaubt war (seine eigenen Internetvideos beweisen das) wird Guinness´ Geheimnis bleiben. Völlig unerklärlich ist es mir, dass Guinness erst im Nachhinein über diesen Vorteil intern entscheidet, statt dies im Vorfeld zu tun, und warum sie dieser Problematik nicht damit einen Riegel vorschieben diesen Rekord in „unsupported“ und „supported“ einteilen.
  2. Ich soll die Mindestdistanz von 18.000 Meilen nicht zurückgelegt haben.
    Tatsache ist, dass mein Navigationssystem zwei Streckenabschnitte in Peru und Australien nicht korrekt abgespeichert hat, wie sich im Nachhinein bei der Auswertung herausstellte. Es scheint Guinness nicht zu überzeugen, dass der Hersteller in einer Erklärung mitteilt, dass der Fehler eindeutig beim Gerät liegt und aus den ihm vorliegenden Daten zu erkennen ist, dass die fehlenden 120 Kilometer von mir zurückgelegt wurden. Guinness hat offensichtlich Zweifel daran, dass ich diese 120 Kilometer mit dem Fahrrad gefahren bin.
  3. Der 600 Kilometer lange Flug in Nordkalifornien und die drei Busfahrten in Mexiko seien nicht rechtens gewesen.
    Guinness bezieht sich auf eine Regel, die besagt, dass bei nur bei unüberwindbaren Hindernissen, wie z.B. einem Ozean und zwischen zwei Kontinenten öffentlicher Nahverkehr oder ein Linienflug benutzt werden darf. Auch hier verstehe ich nicht warum bei Marc Beaumont (GB) 2008 eine Busfahrt vom Bangkoker Flughafen in ländliche Regionen erlaubt war, um die überfüllte Stadt auf dem Fahrrad zu vermeiden. Das legt den Schluss nahe, dass eine Mega – City ein unüberwindbares Hindernis auf dem Fahrrad ist, auch wenn wir ganz andere Erfahrungen gemacht haben. Die Erklärung warum hier ebenfalls mit anderem Maß gemessen wird, bleibt Guinness schuldig.

Nach dieser Entscheidung von Guinness und meiner eigenen hier gegen nicht weiter anzugehen, ist meine Gefühlslage durchwachsen. Ich bin in erster Linie in großem Maße von Guinness enttäuscht und auch wütend, da ich nicht für möglich gehalten hätte, dass eine Institution mit einer so großen weltweiten Reputation so unseriös arbeitet und sich so wenig Zeit nimmt für eine abschließende Begründung. Die wochenlangen Wartezeiten auf Antworten via Email, die dann keineswegs auf meine Fragen und Einwände eingehen, sind eine Frechheit. Ich bin aber auch natürlich traurig, dass meine Arbeit und die von Robert und Pedro und vielen anderen Beteiligten nicht belohnt wird, und ich Herbern leider keinen Weltrekord überbringen kann.

Wäre ich nicht so enttäuscht von Guinness, würde ich sagen beim nächsten Mal, allerdings hält sich meine Motivation in Grenzen noch einmal einen Guinness Rekord zu starten. Das bedaure ich sehr. Letztendlich bin ich aber auch erleichtert, dass ich nun meine Aufmerksamkeit nicht mehr an Guinness und somit Vergangenes verliere, sondern mich auf Zukünftiges konzentrieren kann. Ich fokussiere mich jetzt vollständig auf das Buch zur Tour und meinem neuen Projekt dem Amazonas, den ich von der Quelle in Peru bis zur Mündung im Atlantik zu Fuß und per Boot bewältigen möchte.